Achtung vor Pennystocks

In meinem Posteingang landen derzeit wieder zig Werbe-Emails, die für unbekannte Aktien werben. Die Schreiber preisen die Pennystocks in den höchsten Tönen an und versprechen massive Kursgewinne. Vorsicht, ich kann vor einem Kauf solcher Titel nur warnen.

Zwei Aktien werden derzeit massiv beworben. Die Aktien von Quest Management Inc. (QSMG) und Southern Lithium Corporation.

Heute ging die Werbemaschinerie bei Southern Lithium los. Der Börsenbrief Pennystocks.de schreibt: „Diese Firma hat womöglich riesige Lithiumvorkommen gefunden. Ihr Aktienkurs wird steigen.“ Weiter heißt es: „Der Aktienkurs des Unternehmens ist derzeit stark unterbewertet. Das liegt unter anderem daran, dass institutionelle Investoren warten werden, bis die Ergebnisse der Bohrungen veröffentlicht werden. Meiner Meinung nach werden diese Ergebnisse sehr vielversprechend sein und der Aktienkurs wird innerhalb von Tagen um mindestens 500% in die Höhe schießen.“

Die Aktie steigt heute tatsächlich um satte 20 Prozent. Sie steht nun bei 0,24 Euro. Immerhin wurden bei Tradegate heute fast 3 Mio. Aktien gehandelt. In den Tagen zuvor wechselten im Schnitt nur ca. 30.000 Aktien den Besitzer. Gut möglich, dass dieser Pennystock in den nächsten Tagen gezielt weiter nach oben gepusht wird, aber mit seriöser Geldanlage hat das meiner Meinung nichts zu tun.

5-Tages-Chart (Quelle: ariva.de)

Es ist immer die gleiche Masche. Die Börsenbriefschreiber von Pennystocks nutzen ein Trendthema – in diesem Fall Lithium – und versprechen Kursgewinne in kürzester Zeit. Heute Nachmittag folgte prompt die zweite Mail und hier wurde gleich Tesla ins Spiel gebracht. In der Mail heißt es: „Tesla wird wohl der weltweit größte Einzelkäufer von Lithium sein. Lithium kommt auf der Erde relativ selten vor und ist nur an sehr wenigen Orten zu finden. Southern Lithium besitzt wahrscheinlich eine der größten Lithium-Lagerstätten der Erde und wird meiner Meinung nach zurzeit sehr unterbewertet.“

Geschäftsbericht offenbart Risiken

Fakt ist: Southern Lithium zahlt Geld dafür, dass die Aktie beworben wird. Das kann man im Kleingedruckten der E-Mail lesen. Von einer unabhängigen Börsen-Empfehlung kann also keine Rede sein.

Indes sollten Anleger einen Blick in den aktuellen Geschäftsbericht werfen, den jeder auf der Website Sedar.com finden kann. Und bei dem Inhalt kann einem Angst und Bange werden. Die Wirtschaftsprüfer schreiben in ihrem Bericht vom 28. April 2017: „Without qualifying our opinion, we draw attention to Note 1 of the financial statements which indicates the existence of a material uncertainty that may cast significant doubt on the ability of Southern Lithium Corp. to continue as a going concern.“

Sprich: Die Prüfer zweifeln an den Fortführungschancen der Firma. Im Anhang (Note 1) kann man folgendes nachlesen: „As at December 31, 2016, the Company has not generated any revenue from operations and has an accumulated deficit of $1,547,606. The Company’s continuation as a going concern is dependent on its ability to generate future cash flows and/or obtain additional financing.“

Die Firma machte also 2016 einen Verlust von 1,5 Mio. und wird nur überleben, wenn sie künftig Cash Flows generiert oder neue Finanzmittel auftreiben kann.

Die Aktie ist hochspekulativ. Im vergangenen Jahr habe ich mich auf diesem Aktienblog ausführlich mit den Empfehlungen des Börsendienstes Pennystocks.de beschäftigt. Fazit: Die empfohlenen Aktien sind heute praktisch wertlos. Letztes prominentes Beispiel ist die Cashcloud AG, die heute Mars One Ventures heißt. Diese Aktie wurde übrigens zum letzten Mal Ende März 2017 gehandelt. Der letzte Kurs lag damals bei 5 Cent.

Pennystock Spam-Mails

Sehr aggressiv wird derzeit eine weitere Aktie über E-Mails beworben. Allein in der vergangenen Woche habe ich rund 20 englischsprachige Mails von verschiedenen Absendern erhalten. Dabei versprechen die Schreiber, dass der Aktienkurs des Unternehmens auf 21 US-Dollar steigen wird. Ein großer Konzern werde die kleine Firma übernehmen, so der Tipp. Aktuell koste das Papier nur 60 Cents. Wenn man also jetzt 10.000 Dollar investiere, dann würden daraus in kürzester Zeit 350k, also 350.000 Dollar. Das Übernahmeangebot soll in einigen Tagen publik werden, so das Versprechen.

Am Ende der Mail verraten die Schreiber dann auch das Börsenkürzel des Unternehmens: QSMG. Der vermeintliche Geheimtipp heißt also Quest Management. Die Aktie stieg bereits Anfang April innerhalb kürzester Zeit auf 2 Dollar. Heute fällt die Aktie auf 54 Cent. Ein Pennystock.

Hinweis: Dieser Blogeintrag stellt keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar.

Bildquelle: pixabay.com

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3 Kommentare zu „Achtung vor Pennystocks“

  1. Auf solche „Tips“ bleibt einem nur die Möglichkeit mit den 5p zu antworten: Proper Preparation Prevents Poor Performance. Also lieber vor jedem Investment ganz genau hinschauen und nicht auf irgendwelche Ankündigungen / Vermutungen / Gerüchte reagieren. Geschäftsberichte anständig auswerten und anschließend mit Sinn und Verstand investieren.

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