Zockerei bei Cashcloud

Wilde Spekulationen treiben derzeit die Aktie von Cashcloud in die Höhe. Der Wert des Unternehmens steigt nach einer Börsendienst-Empfehlung an einem Tag um knapp 100 Prozent. Vorsicht ist geboten! Bei solchen Pennystocks drohen Anlegern meist hohe Verluste, wenn sie zu spät einsteigen.

Der Name allein klingt schon verlockend. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben im Bereich Mobile Payment tätig. Die Pennystock-Aktie verdoppelte sich am Dienstag. Und heute geht der Kursanstieg weiter. Grund für den Hype ist eine gezielte Empfehlung in einem Börsendienst.

Börsendienst empfiehlt Aktie

Heute landete eine Email in meinem Postfach mit folgendem Inhalt:

„Liebe Leser, ich habe Ihnen seit Dienstag Vormittag nahe gelegt, Aktien der Cashcloud AG zu kaufen! Cashcloud handelt an den Börsen in Frankfurt und Xetra in Deutschland. Die Aktie wurde noch gestern bei 0,88 Euro gehandelt und steht heute bereits bei über 1,50 Euro. Cashcloud steigt aktuell TÄGLICH weiter, weil das Unternehmen zum aktuellen Kurs-Niveau an der Börse extrem unterbewertet ist. Das sollte noch für einige Tage oder sogar Wochen so weitergehen.“

Hmm, also ich bin kein Leser dieses Börsenbriefs und habe die Mail erst heute am Mittwoch erhalten. Also erst nach dem spektakulären Kursanstieg. Neue Anleger sollen jetzt in die Aktie einsteigen. Alles klingt verlockend. Doch ich warne dringend vor solchen Pennystocks.

Warum? Anleger sollten sich nur die Pressemitteilung des Unternehmens zum Geschäftsjahr 2015 durchlesen und anschließend einen Blick in den Geschäftsbericht werfen.

Pressemitteilung ohne Zahlen

Hier die komplette Mitteilung zu den Finanzzahlen von Ende April:

Cashcloud AG hat das Jahr 2015 operativ erfolgreich abgeschlossen

Die Cashcloud AG hat am heutigen Tag den Jahresabschluss 2015 veröffentlicht. „Wir sind zufrieden mit den Ergebnissen des letzten Jahres. Cashcloud hat sehr erfolgreich in die Neukundengewinnung investiert und das Jahr mit 185.000 registrierten Nutzern abgeschlossen. Dies entspricht einem Wachstum von ca. 70% in 2015“ so Prof. Moritz Hunzinger, CEO und Präsident des Verwaltungsrats der Cashcloud AG. Unter seiner Federführung findet derzeit eine Umstrukturierung bei Cashcloud statt, die in eine Neuorientierung des Unternehmens mündet – operative Kosten werden eingespart, so dass eine effizientere Unternehmensführung realisiert wird. Cashcloud arbeitet derzeit an der operativen Ausweitung des Geschäfts in 24 Länder in 5 Währungen und zeigt sich zuversichtlich einer der führenden Anbieter im Bereich Mobile Payment und Wallet zu werden.

Ende der Mitteilung!

Welchen Umsatz hat die Firma gemacht, wie hoch war der Verlust?

Man findet hierzu in der Meldung kein einziges Wort, keine Infos.

Unternehmen macht riesige Verluste

Ein Blick in den Geschäftsbericht lässt ahnen, warum die Firma in der Pressemitteilung so wortkarg ist.

Cashcloud steigerte den Umsatz von rund 2.000 Schweizer Franken auf sage und schreibe rund 44.000 CHF in 2015. Dabei fiel ein Verlust von satten 4,5 Mio. CHF an. Das Unternehmen weist bei einer Bilanzsumme von rund 272.000 CHF ein negatives Eigenkapital von 591.000 CHF aus.

Und auch die Prognose für 2016 lässt aufhorchen. Das Unternehmen plant nämlich für 2016 eine Kapitalerhöhung. Damit sollen Marketingkampagnen und IT Investitionen finanziert werden. Prognosen zu wichtigen Kennzahlen wie Umsatz, EBITDA und EBIT sucht man allerdings vergebens im Lagebericht.

Die Zocker an der Börse scheint das nicht weiter zu interessieren. In der letzten Woche lag der Kurs der Aktie noch zwischen 0,80 und 0,90 Euro. Heute notierte das Papier in der Spitze bei 1,70 Euro. Schlusskurs: 1,45 Euro. Gut möglich, dass der Wert noch weiter nach oben gepusht wird.

An der Börse ist das Unternehmen damit knapp 20 Mio. Euro wert. Also Vorsicht ist geboten, denn fundamental ist diese Bewertung aus meiner Sicht überhaupt nicht gerechtfertigt. Indes macht das Unternehmen derzeit nur mit großen Sprüchen auf sich aufmerksam. Der CEO sagt in einer weiteren Mitteilung: Cashcloud ist besser als Apple Pay.

Interessenkonflikte des Börsendienstes

Viel interessanter als die Mitteilungen des Unternehmens ist das Kleingedruckte am Ende der Email des Börsendienstes. Dort kann man folgendes nachlesen:

„Im vorliegenden besteht ein ausdrücklicher Interessenkonflikt. Der Ersteller dieser Publikation sowie mit ihm verbundene Personen halten eine maßgebliche Beteiligung an der empfohlenen Aktie. Außerdem erfolgen für die Erstellung dieser Empfehlung finanzielle Zuwendungen an den Herausgeber. Ebenso erfolgt eine Bezahlung zur Verbreitung dieser Empfehlung durch zahlreiche Online-Medien sowie andere Verbreitungsmöglichkeiten, um diese Empfehlung weitmöglich im Internet zu verbreiten.“

Fazit

Anleger sollten auf die Geschäftszahlen eines Unternehmens achten und nicht blind den Empfehlungen von Börsendiensten folgen, die Aktien gegen Bares empfehlen. Viel besser ist es, solide Aktien von guten Unternehmen zu kaufen. Die Erfahrung zeigt: Mit den meisten Pennystocks verlieren Anleger am Ende viel Geld!

Cashcloud Chart

 Jahreschart (Quelle: ariva.de)

Hinweis: Dieser Blogeintrag stellt keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar.

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2 Kommentare zu „Zockerei bei Cashcloud“

  1. Hallo zusammen,
    Mh… Das mit dem Manipulationsverdacht, habe ich vor ein paar Tagen schon mal gelesen, trotzdem weis ich derzeit noch nicht so recht was ich eigentlich von der ganzen Sache halten soll.

    Wäre echt schade, da ich Cashcloud eigentlich ziemlich gut finde…

    Viele Grüße
    Christian

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